"Landgrabbing" gibt es auch in Sachsen – Bauernland in Bauernhand?

08. Oktober 2014

Podiumsdiskussion zur Bodenpolitik, organisiert vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Leipzig und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachen

Ist nachhaltiges Wirtschaften von der Betriebsgröße abhängig? Was hat "Landgrabbing" mit der Finanzkrise zu tun und wie gefährlich sind Monopole auf Boden und Wasser für die Ernährungssouveränität?

Um diese Fragen zu diskutieren, luden der BUND und der der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.am 6. Oktober zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Bodenpolitik" ein. Auf dem Podium saßen, moderiert von Jens-Eberhard Jahn (Publizist und Agrarexperte), die Bodenkundlerin Dr. Elisabeth Jüschke, MdL Kathrin Kagelmann (DIE LINKE), Roman Herre (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk FIAN) und Willi Lehnert (Bündnis Junge Landwirtschaft). Dabei ging es vor allem um die Ausbeutung ertragreicher Böden durch profitorientierte Konzerne und Investoren, die seit der Finanzkrise 2008/09 verstärkt landwirtschaftliche Flächen aufkaufen.

Dr. Elisabeth Jüschke erklärte, dass Großinvestoren das Land oft rücksichtslos ausbeuteten: "Industrielle Landwirtschaft mag kurzfristig zu höheren Erträgen führen. Langfristig zerstört sie jedoch die Bodenfruchtbarkeit. Die Ernten würden dann einbrechen, würden nicht ständig mehr Düngemittel eingesetzt werden." In Deutschland gebe es ausreichende Gesetze gegen die Zerstörung von Böden, wie zum Beispiel das Bundes-Bodenschutzgesetz. Sie würden nur unzureichend angewandt.

Als besonders problematisch wurde während der Diskussion die Landvergabe in Deutschland herausgestellt. Willi Lehnert vom Bündnis Junge Landwirtschaft berichtete von den Schwierigkeiten junger Landwirtinnen und Landwirte, an Agrarflächen zu kommen: "Die Pachtpreise steigen und die Treuhand-Nachfolgerin BVVG verkauft das Land zu einem Drittel über dem Marktpreis um so den Bundeshaushalt zu sanieren. Da können nur Großinvestoren mithalten." Kathrin Kagelmann nannte in diesem Zusammenhang Beispiele, wie insbesondere DIE LINKE versucht habe, politische Vorgaben zur Landvergabe in Deutschland zu erreichen. Entsprechende Anträge wurden im Landtag und Bundestag abgelehnt. 

Roman Herre vom FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk erläuterte die Problematik auf internationaler Ebene. "Es ist eine Mär, dass nur arabische Staaten und China international Ländereien von mehreren hunderttausend Hektar aufkaufen würden. Es sind internationale Fonds und auch die Deutsche Bank, die daran beteiligt sind, Kleinbauern im Globalen Süden zu verdrängen."

Einig waren sich letztlich alle Podiumsgäste, dass das Bodeneigentum breit gestreut sein müsse. Die Bündelung von Marktmacht durch Bäuerinnen und Bauern und politische Aktionen der Verbraucherinnen und Verbraucher könnten Schritte in Richtung einer solidarischen und nachhaltigen Landwirtschaft ermöglichen. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für eine sozial und ökologisch nachhaltige Bodenpolitik zu schaffen.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der diesjährigen Erntedank-Aktionswoche des BUND in Leipzig statt. In den nächsten Tagen werden noch weitere Veranstaltungen stattfinden: unter anderem am Freitag, den 10. Oktober ein Film und Diskussion zur Bienenhaltung und dem in den letzten Jahren auftretenden Bienensterben sowie am Sonntag, den 12.Oktober eine Schnitzeljagd im Auwald. 

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