Leipzig, 04. November 2026
Die Mehrweg-Offensive „Leipzig bestellt Vielfalt – mit Mehrweg“ und die Arbeit des BUND Leipzig haben das gleiche Ziel: Es soll weniger Abfall durch Einwegverpackungen entstehen. Auch die Maßnahmen ähneln sich stark. Doch der BUND Leipzig hat mit der Umsetzung bereits vor Jahren begonnen. Die Erkenntnisse, die dabei gesammelt wurden, finden nun aber wenig Beachtung. Denn mit Freiwilligkeit lässt sich keine positive Wirkung erzielen. Es fehlt der Anreiz für die Unternehmen, auf Mehrweglösungen umzustellen. Selbst die gesetzliche Vorgabe, Mehrwegalternativen anzubieten oder kundeneigene Behältnisse zu befüllen, wird selten erfüllt. Aufgrund mangelnder Kontrollen besteht seitens der Gastronomiebetriebe wenig Handlungsdruck.
„Wir sollten realistisch bleiben,“ so Mirko Schimmelschmidt, langjähriger Projektkoordinator für Mehrwegprojekte beim BUND Leipzig. „Beratungsangebote für Betriebe und Material für Kund*innen und Werbekampagnen gibt es bereits seit Jahren – und das nicht nur in Leipzig. Es wäre wünschenswert, wenn dadurch Unternehmen und die Kundschaft zur Mehrwegnutzung angeregt werden könnten. Doch die Zahlen sagen bisher etwas anderes.“
Schon seit 2018 setzt sich der BUND Leipzig für die Einführung von Mehrweg in Leipzig ein und war unter anderem maßgeblich an der Einführung von Recup Bechern in Leipzig beteiligt. 2023 wurde, nach der Einführung der Mehrwegangebotspflicht, eine große Informationskampagne mit der Stadtreinigung unter dem Titel „Allerlei to go“ ins Leben gerufen. Seitdem die Mehrwegquote sich durch die Mehrwegangebotspflicht von 0,8% auf 1,6% verdoppelt hat, tritt die Entwicklung in Deutschland jedoch auf der Stelle, außer in den Städten, die die Verpackungssteuer eingeführt haben.
„Die Mehrweg-Offensive bleibt eine teure Scheinlösung, die eine nachhaltige und verursachergerechte Verpackungssteuer ersetzen soll.“, konstatiert Anika Jahn, Co-Vorsitzende des BUND Leipzig, „Erst wenn Einweg über seinen realen Preis abgerechnet wird, entsteht ein echter Anreiz für Mehrweg. Es ist nicht vermittelbar, dass die Leipziger Allgemeinheit nach wie vor die Entsorgungskosten der To-go-Branche übernimmt. Darum setzen wir uns weiterhin für eine gerechte Umverteilung der Kosten durch die Verpackungssteuer ein. Nur wer Abfall verursacht, sollte auch für dessen Entsorgung aufkommen.“
Der BUND Leipzig setzt mittlerweile im Mehrwegprojekt “To Go & Together” - neben bestehenden Beratungsangeboten - mit Projekttagen zu Mehrweglösungen und gesetzlichen Vorgaben auf die nächste Generation in Gastronomiebetrieben. Denn die Gesetzgebung auf EU-Ebene zeigt, dass Einwegplastik in dieser Form keine Zukunft haben wird.
„Mehrweg ist nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch der Gesundheit,“ betont Lisa Falkowski, Beisitzerin im Vorstand des BUND Leipzig und BUND Sachsen. „Gerade bei Einwegverpackungen aus Plastik besteht das Risiko, dass gesundheitsschädliche Chemikalien und Mikroplastik in unsere Lebensmittel gelangen. Mit dem konsequenten Umstieg auf sichere, wiederverwendbare Systeme schützen wir also nicht nur unsere Städte vor Müllbergen, sondern auch unsere eigene Gesundheit.“
Dieses Risiko ist wissenschaftlich klar belegt. Aus Einwegverpackungen – insbesondere bei heißen, fettigen oder säurehaltigen Speisen – lösen sich hormonell wirksame Chemikalien wie Phthalate und Bisphenole, die als endokrine Disruptoren das Hormonsystem schädigen sowie das Risiko für Unfruchtbarkeit, Diabetes und Krebserkrankungen erhöhen können. Zudem geben Einwegbehälter kontinuierlich Mikroplastik ab, das mittlerweile im menschlichen Blutkreislauf nachweisbar ist und chronische Entzündungen auslösen kann. Selbst vermeintlich umweltfreundlichere Pappeinwegbehälter enthalten oft synthetische Beschichtunge oder PFAS („Ewigkeitschemikalien“), die sich dauerhaft im Körper anreichern. Ein konsequenter Wechsel zu geprüften Mehrwegsystemen ist daher ein unverzichtbarer Schritt für den vorsorgenden Gesundheitsschutz.
Pressekontakte:
Mirko Schimmelschmidt, Projektkoordinator To Go & Together: mirko.schimmelschmidt(at)bund-leipzig.de
Roxana Becker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: roxana.becker(at)bund-leipzig.de
oder presse(at)bund-leipzig.de
Über den BUND:
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist staatlich anerkannt, mit 675.000 Unterstützer*innen einer der größten Umweltschutzverbände Deutschlands und widmet sich seit über 40 Jahren der nachhaltigen Entwicklung zu einem zukunftsfähigen Deutschland im Bereich des Natur- und Umweltschutzes. Die Regionalgruppe Leipzig kümmert sich um Umwelt und Natur in Leipzig und Umgebung. Schwerpunkte unserer Arbeit bilden die umweltpolitische Lobbyarbeit, die Umsetzung eigener Projekte und Kampagnen, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Umweltbildung. Thematisch beschäftigen wir uns dabei beispielsweise mit Biodiversität, Klimaschutz, Fluglärm und dem Erhalt des Auwaldes. Detaillierte Informationen finden Sie unter www.bund-leipzig.de.