BUND Sachsen fordert eine Neubewertung der Hochwasserschutzmaßnahmen seit 2002, mehr Raum für die Flüsse und mehr Rückhalt in der Fläche

06. Juni 2013 | Flüsse & Gewässer

Langanhaltende Starkniederschläge haben in den letzten Jahren zugenommen und zu verheerenden Überschwemmungen in Sachsen geführt. Es wird davon ausgegangen, dass extreme Wetterereignisse wie Starkregenfälle aufgrund des Klimawandels zunehmen werden. Immer häufiger werden deshalb die Flüsse ihr enges Korsett, in das sie gepresst wurden, verlassen. Dieses Korsett aus Deichen und Mauern immer nur etwas höher zu bauen, reicht nicht aus.

Dazu erklärt Professor Felix Ekardt, BUND-Landesvorsitzender: „Das derzeitige Hochwasser in Sachsen sollte sehr genau analysiert und die Hochwasserschutzkonzepte des Freistaates sollten überarbeitet werden. Zukunftsfähiger Hochwasserschutz darf nicht allein auf technische Aspekte, wie Deichhöhe und Rückhaltebecken, reduziert werden. Höhere Deiche und begradigte Flüsse verlagern das Problem nur in den Unterlauf der Flüsse, können es aber nicht lösen. Rückhaltebecken können zwar flächige Überschwemmungen unterhalb bis zu einem gewissen Regenereignis unterbinden, regnet es aber mehr, als das Rückhaltebecken fassen kann, kommt es entlang des Fließgewässers unterhalb dort zu großen Überflutungen, wo der Flussquerschnitt zu wenig Wasser fassen kann. Deswegen fordert der BUND seit 2002 nachdrücklich, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben und zusätzliche Retentionsflächen zu schaffen.“

"Die aktuelle Hochwassersituation muss uns zu denken geben", so Lars Stratmann, stv. Landesvorsitzender des BUND Sachsen. "Die Welle der Solidarität ist beeindruckend und jedem Menschen, der hilft die Schäden zu beseitigen oder geholfen hat, Schlimmeres abzuwenden, gilt unser Dank. Dennoch müssen wir uns auch zeitnah damit auseinandersetzen, wie der Hochwasserschutz in Sachsen weiter verbessert werden kann", so Stratmann weiter. "Die Schäden an Personen, aber auch an Hab und Gut der Menschen machen betroffen. Wir fordern die Menschen in Sachsen auf, den Betroffenen persönlich zu helfen. Fordern Sie von ihrer Gemeinde ein Vorsorgekonzept, denn jede Gemeinde trägt mit ihrer Niederschlagsableitung zum hohen Wasserstand flussabwärts bei. Fragen Sie ihre Abgeordneten nach Konzepten für Sachsen."

Der BUND Sachsen schlägt vor, dass erneut geprüft wird, wo großräumige Überflutungsflächen in den Bereichen ehemaliger Flußauen geschaffen werden können und diese umgesetzt werden. Das beinhaltet auch die Aufhebung bereits beschlossener Bebauungspläne im Überflutungsbereich. Wir halten eine Verbreiterung der Fließgewässerquerschnitte in überflutungsgefährdeten Bereichen oftmals für erforderlich. Für mehr Wasserrückhalt in der Fläche fordern wir, dass die fortschreitende Versiegelung und Verdichtung unseres Bodens gestoppt wird. Regenrückhaltung sollte zur kommunalen Pflichtaufgabe werden. Naturnahe, ingenieurbiologische Bauweisen sollten vermehrt zum Einsatz kommen, da diese in der Regel ebenso wirksam sind, wie technischer Verbau und eine sehr hohe Lebensraum- und Aufenthaltsqualität ermöglichen.

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